Aus einem Fischerdorf und kleinem Hafen im
Jangtse-Delta entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert eine Metropole
Ostasiens. Als internationales Handelszentrum war Shanghai neben Hongkong
stets die westlich geprägteste Stadt in China. Bis zum Sieg der
Kommunisten war das "Paris des Ostens" Spielball von Europa,
Amerika oder Kriminellen. Nach der Öffnung in den 1980ern ist
Shanghai wieder ein internationales Kraftzentrum für ganz China.
Einfache Anfänge am Huangpu
Die ersten Spuren der Besiedlung in der Region reichen
bis etwa 4000 v. Chr. zurück. Im Jahre 960 wurde Shanghai erstmals
als Dorf erwähnt. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Jangtse-Deltas
wuchs auch die Bedeutung von Shanghai. 1074 erhielt Shanghai ein eigenes
Steuerbüro. 1264 wurde es mit drei anderen Dörfern zusammengelegt.
Die Stadt besaß zu dieser Zeit einen wichtigen Handelshafen,
von dem die stattliche Baumwollernte der Region nach Peking, ins Hinterland
und nach Japan verschifft wurde. Bis zur Qing-Dynastie (1644-1911)
hatten sich große, durch den Handel organisierte und äußerlich
den niederländischen Gilden ähnelnde Kaufmannszünfte
gebildet, die sich die wirtschaftliche und teilweise auch politische
Kontrolle über die Stadt teilten.
Shanghai als Paris des Ostens
Nach
den Opiumkriegen erzwang Großbritannien 1842 die Öffnung
Shanghais für den Handel mit den europäischen Mächten.
Nach den Briten folgten 1847 die Franzosen, und diese beiden Mächte
richteten die ersten ausländischen Konzessionen in Shanghai ein
die Briten entlang des Bundes und im Gebiet nördlich Alt-Shanghais,
der Chinesenstadt, die Franzosen im Südwesten. In der Folgezeit
bildete sich in der Stadt auch eine größere jüdische
Gemeinde. Die Stadt besaß schon bald den größten
Hafen Chinas und wurde zum wichtigsten Finanzplatz in Asien.
Mit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre wurde Shanghai
eine echte Weltstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte Shanghais
Bevölkerungszahl die Millionengrenze. Ab 1918 war die Stadt der
Wirkungsort des Revolutionsführers und Staatsmannes Dr. Sun Yat-sen.
Shanghai wurde zum Synonym für Sünde, Abenteurertum und
Reichtum. Auch der Kommunismus in China fand in Shanghai seine Wurzeln.
1915 begann Chen Duxiu mit der Herausgabe der Zeitschrift 'Jugend',
die später unter dem Namen 'Neue Jugend' (Xin Qingnian) großen
Einfluss auf die Bevölkerung ausübte.
Shanghai
war in den Jahren von ungefähr 1910 bis zur japanischen Besetzung
1937 mehr als noch zuvor eine Stadt, von Glücksrittern und organisierter
Kriminalität. Die Machtlosigkeit einer chinesischen Zentralregierung,
die unterschiedlichen Interessen der Kolonialmächte, die Aussicht
auf große Gewinne und die Bestechlichkeit der Beamten ermöglichten
die Herrschaft der "Grünen Bande" über Shanghai.
Die Grüne Bande war ein Netzwerk verschiedener Verbrecherorganisationen,
die gleichsam einem Kartell den Opiumhandel, Prostitution, Glückspiel,
etc. in Shanghai beherrschten. Mit kalter Gewalt und Erpressungen
bestimmte sie in der Stadt über Leben und Tod. Nach außen
hin gaben sich ihre führenden Köpfe, wie Du Yuesheng, als
ehrbare und anerkannte Mitglieder der Gesellschaft. Chiang Kaitschek
war einer der Profiteure der Grünen Bande und konnte dank ihrer
Unterstützung politische Feinde in Shanghai ausschalten, darunter
1927 viele Kommunisten.
Krieg, Befreiung und Wiederaufsteig in Shanghai
Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges kam es zur
Zweiten Schlacht um Shanghai. Nach einem verlustreichen Häuserkampf
nahmen am 9. November 1937 japanische Streitkräfte die Stadt
bis auf die exterritorialen Gebiete ein, in denen sich daraufhin zahlreiche
chinesische Flüchtlinge ansiedelten. Diese Gebiete blieben jedoch
von den Kriegshandlungen nicht verschont zerschossene Häuser
und zerstörte Wasserleitungen prägten auch hier das Bild.
Als die Kommunisten am 27. Mai 1949 unter Führung Mao Zedongs
in Shanghai einmarschierten, übernahmen sie die Kontrolle über
das wichtigste Wirtschafts- und Handelszentrum Asiens und damit gleichzeitig
über einen internationalen Hafen, in dem wahre Vermögen
gemacht wurden. Während die ausländische Gemeinde erwartete,
wie immer ihren Geschäften nachgehen zu können, war das
neue Regime entschlossen, auch Shanghai seine Rolle in der radikalen
Umgestaltung Chinas zuzuweisen. Viele ausländische Firmen verlegten
nach der kommunistischen Machtübernahme ihre Einrichtungen nach
Hongkong. Die schlimmsten Elendsviertel wurden niedergerissen, um
durch Wohnblöcke ersetzt zu werden. Die Kriminellen und Prostituierten
schaffte man zur Umerziehung fort. Ausländisches
Kapital wurde erheblich besteuert oder gleich vom Staat eingezogen.
Mitte der 1980er Jahre fiel der Entschluss, Shanghai ein weiteres
Mal die Vorreiterrolle für die Modernisierung Chinas zuzuweisen,
dies führte zu einem enormen Anstieg der Industrieproduktion
und der ausländischen Investitionen. 1990 wurde die Sonderwirtschaftszone
Pudong gegründet und der Grundstein für einen Neuen
Bund gelegt. Die Stadt lebte wieder als Handelszentrum Ostchinas
auf und zieht Arbeitskräfte und Energie sowohl aus China als
auch aus der ganzen Welt in sich hinein.